Merkur in Verbindung zu Sonne und Mond

Nachdem wir dem rückläufigen Merkur (s.o.) relativ viel Zeit gewidmet haben, wollen wir uns jetzt mit Merkur im Verhältnis zur Sonne beschäftigen. Sehr häufig steht Merkur im gleichen Zeichen wie die Sonne. Hier gibt es eine grundsätzlich ähnliche Prägung von „Denken“ und „Handeln“, sowie des „sich selbst reflektierendes Denken“ und das „Selbstbewusstsein“ in gleichen Bereich. 
Grundlegend wichtig ist es, darauf zu achten, ob Merkur der Sonne vorweg oder ihr hinterher läuft. Kommt im Tierkreis zuerst die Sonne und dann der Merkur, können wir ganz simpel die Aussage treffen, dass der Mensch erst Handeln und dann Denken wird, bzw. sich erst entscheiden und dann darüber reflektieren wird. Es ist immer richtig der Struktur im eigenen Horoskop zu folgen anstatt zu versuchen diese zu verändern oder sogar „umzudrehen“. 

Anmerkung: Es ist in der Astrologie ohnehin sehr schwer bis unmöglich zu sagen, ob etwas gut oder schlecht ist. Wir können besser sagen, wofür etwas gut oder schlecht ist. Also die Bewertung an ein konkretes Kriterium zu heften ist sicherlich leichter als eine Bewertung einer Stellung an sich zu treffen.

Ein Mensch mit dem Merkur vor der Sonne im Tierkreis wird grundsätzlich erst Denken und dann Handeln, bzw. erst darüber reflektieren und dann seine Entscheidung fällen. Manchmal kommt der Mensch vor lauter Denken allerdings nicht mehr zum Handeln.

Befindet sich Merkur in einem gewissen Orbis (der Orbis misst den Wirkkreis von einigen Grad Durchmesser um einen genauen Aspektpunkt, in dem die beschriebene Wirkung auftritt) von der Sonne, dann sind alle Richtlinien der Interpretation hinfällig, weil die Sonne den Merkur dann regelrecht überstrahlt. In der Astrologie heißt es dann, dass Merkur von der Sonne verbrannt wäre. Nach alter Regel soll jeder Planet dann verbrannt sein, wenn er weniger als 8,5 Grad von der Sonne entfernt steht. Hier soll Merkur seine Qualitäten nicht mehr unbeeinflusst entfalten können. Wir können sagen, dass es bei dieser Stellung des Merkur zu Schwierigkeiten kommt, was die Fähigkeit zum klaren Denken anbelangt. Das Denken wird sehr stark subjektiv und Menschen mit dieser Stellung haben große Probleme, Sachverhalte objektiv zu betrachten. Außerdem beziehen sie gern alles auf sich. 

Das Denken ist ohnehin der größte Fluch und auch ein großer Segen für uns Menschen. Viele Sachverhalte wären ohne das Denken gar nicht zugänglich für uns, andererseits ist es in der letzten Zeit in der Geschichte der Menschheit zu einem Übergewicht des Denkens, der Ratio gekommen. 
Gerade wenn es uns darum geht, unser Ego, unsere Beengtheit zu überwinden, müssen wir die Subjektivität des Denkens überwinden. Wir können in astrologischer Sprache zum Ausdruck bringen, dass sich Merkur sozusagen zum Herren des Horoskops aufgeschwungen hat. Wir glauben, dass wir das sind, was wir denken. Dabei sieht es in Wirklichkeit so aus, dass das Denken bestimmte Dimensionen der Erfahrung gar nicht erreichen kann. Das wir ganz im Gegenteil dazu kommen müssen, über die Begrenzungen des Denkens hinaus zu gelangen. 

Zusammenfassend gesagt muss der Mensch mit einem verbrannten Merkur lernen, sein Denken nicht so wichtig zu nehmen und erkennen, dass er dazu neigt, alles auf sich zu beziehen. 

Leichter fällt dies jenen Menschen, die Merkur nicht im gleichen Zeichen haben wie die Sonne. Hier sind die Gewohnheiten des Denkens und des Kommunizierens anders strukturiert als jene der Sonne. Wir wissen aus der Betrachtung des Tierkreises, dass Zeichen sehr unterschiedlich sind, wenn sie direkt nebeneinander liegen (siehe das Kapitel „Der Tierkreis“). Wenn Merkur und Sonne nicht im gleichen Zeichen stehen, kommt es dazu, dass Denkstrukturen und Identität nicht gleich sind und daher fällt es leichter zu differenzieren.

Andererseits kann es dabei zu Problemen kommen, die Impulse der Sonne und des Merkur miteinander zu integrieren. Es kann daher zu verzögerten Reaktionen und zu einer komplizierteren Verarbeitung geistiger Impulse kommen.

Wir sollten an dieser Stelle nicht vergessen, dass Merkur in gewisser Weise zwischen den Impulsen von Mond und Sonne vermittelt. Der Mond liefert uns Eindrücke, vermittelt uns unsere Bedürfnisse und drückt sich aus über bildhafte Wahrnehmungen (Gefühle, Empfindungen). Die Sonne will handeln, umsetzen, um etwas in die Wirklichkeit zu bringen. Der dazwischen notwendige Prozess, um die unterschiedlichen Impulse von Sonne und Mond zu verarbeiten unterliegt dem Merkur.

Aus der Stellung des Merkur können wir erkennen, wie weit jemand fähig ist, die Impulse des Mondes umzusetzen. Wir hatten an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass die Befriedigung der Bedürfnisse, die der Mond im Horoskop symbolisiert, immens wichtig sind für die innere Zufriedenheit des Menschen. Wir können diese Aussage demgemäß erweitern, dass wir sagen können, dass die Fähigkeit des Merkur diese „Wünsche“ des Mondes an die Sonne weiter zu leiten genauso wichtig sein kann. Somit ist auch Merkur im Horoskop dafür verantwortlich wie wohl sich der Mensch in sich fühlt. 

Da wir dabei sind die unterschiedlichen Bereiche und Wirkungsweisen von Merkur und Mondzu untersuchen, liegt es nahe, auch ein paar Worte über den Unterschied von Gedanken und Gefühlen zu verlieren. Fühlen können wir nur das, was im Moment gerade da ist. Ansonsten müssten wir uns in eine andere Zeitebene versetzen. Wir könnten vielleicht erreichen, dass wir das wieder fühlen, was wir früher einmal gefühlt haben. Das Gefühl selber ist aber immer in der Gegenwart. Das Denken dagegen ist nie in der Gegenwart. Damit wir uns hier richtig verstehen: Der Prozess des Denkens findet natürlich in der Gegenwart statt, nur seine Objekte, die Gedanken, richten sich immer auf die Vergangenheit oder auf die Zukunft. Gefühle können sich zwar auf die Vergangenheit oder auf die Zukunft beziehen, sind aber im Prozess des Fühlens immer in der Gegenwart.